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TÜREN VON HEUTE FÜR MORGEN

christoph baier
Rund hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer lauschten gespannt den Ausführungen der Referenten verschiedener Unternehmen auf dem Fachseminar «Türen von heute für morgen» am 5.11.2019 im Hotel am Wasserturm Köln. Im Nachgang sprach die Glaswelt mit Christoph Baier von Vetrotech SAINT-GOBAIN über einige sicherheitsrelevante Themen.

Seit Anfang November 2019 existiert eine CE-Kennzeichnungspflicht für Feuerschutzabschlüsse im Außenbereich. Was ändert sich und was ist neu?

Die CE-Kennzeichnung bezieht sich konkret auf Feuerschutzabschlüsse, Rauchschutzabschlüsse und Brandschutzverglasungen. Für die Planung und den Einsatz der beiden erstgenannten sind seitdem u.a. die Angaben im CE-Zeichen und der Leistungserklärung zu beachten. Ausschreibung, Planung und Herstellung sind nur noch nach der europäischen Produktnorm EN 16034 zulässig. Das bedeutet auch, dass durch deren Anwendung die bisher bekannten Bezeichnungen wie etwa T30-1-FSA für eine Brandschutztür entfallen.

Was ist bei einbruchhemmenden Sicherheitsgläsern nach EN 1627 relevant?

Diese Norm beschreibt die Mindestanforderung an das Glas – Ausnahme sind Fluchttüren mit Einbruchhemmung und Antipanikverriegelung bzw. für die Klassen RC5 und RC6. Hierbei wird das Glas nach EN 1630 geprüft und mit den Werkzeugen entsprechend angegriffen.

Wie wird beschusshemmendes Glas geprüft?

Für die Prüfung von beschuss- und durchschusshemmenden Gläsern sind die zu verwendenden Waffen und Munition für die jeweilige Widerstandsklassen nach EN 1063 BR 1 – BR 7 S und NS exakt vorgegeben (inkl. Prüfmaße und Abstände). Beschusshemmende Konstruktionen, also Fenster, Türen, Glas und Anbindung werden nach den EN 1522/1523 geprüft. Um diese Beschussprüfungen zu bestehen, müssen Gläser mehr leisten können als bei der EN 1063.

Wird durchschusshemmendes Glas auch mit einer Kalaschnikow AK 47 geprüft?

Interessanterweise fehlt in der VPAM-Liste nach EN 1063 der Beschussversuch mit einer Kalaschnikow AK 47, obwohl diese die meist verbreitete Waffe der Welt ist. Da der Gebrauch einer AK 47 (Automatik)in Deutschland verboten ist, simuliert Vetrotech einen entsprechenden Beschuss mit einer vergleichbaren Munition. In unserem Produktangebot finden sich also auch Gläser, die einem AK 47-Beschuss standhalten.

Lassen sich beschusshemmende Gläser problemlos auch in Türen einsetzen?

Ja, das ist kein Problem, allerdings könnten je nach Türmaß und Anforderung an die Beschussklassen Türen zu schwer werden. Dafür gibt eine gute leichtere Alternative.

Und die wäre?

Der Aufbau von beschusshemmenden Gläsern mit Polycarbonat. Diese wurden entwickelt, um bei den hohen Beschussklassen Gewicht einsparen zu können. Bei einem Beschuss wird das Projektil vom Glas zerstört, die Fragmente werden von der PC-Scheibe aufgehalten.

Lassen sich Sicherheitsfunktionen auch mit Brandschutz kombinieren?

Ja, und nicht nur das: Sie können multifunktionale Produkte entwickeln. Es gibt eine Reihe beeindruckender Gebäude mit Brandschutzgläsern in Kombination mit Farbfolien, Ornamentglas, extraweißem Glas, Digitalsiebdruck und vielem mehr.

Welche Funktionen lassen sich mit Türen kombinieren?

Vetrotech ist in der Lage, ein Glas zu produzieren, das gleichzeitig gegen Einbruch, Feuer, Beschuss und Explosion schützt und zudem noch mit Antipanik-, Wärmeschutz- und Sonnenschutzfunktion ausgestattet ist. Das Resultat sind also echte Multifunktionsgläser in Türen.

Wie vertragen sich eigentlich ein barrierefreier Zugang in Kombination mit Hochsicherheit?

Auch dies ist heute alles machbar. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher elektromechanischer Sicherheitslösungen an Türen, zum Beispiel barrierefreie Türen mit Feststellanlagen oder Brandschutztüren mit Zutrittskontrolle und gesichertem Rettungsweg. Auch Schleusenlösungen, zum Beispiel in Gefängnissen, sind barrierefrei ausführbar. Vetrotech arbeitet mit verschiedenen Partnern aus der Türbranche zusammen, um solche Lösungen zu realisieren.

Herr Baier, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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